Deutschnationale Katholiken – Kongress „Freude am Glauben“

Bild von Sarah Richter auf Pixabay

Populistischer KatholikInnen-Kongress erhält bischöfliche Unterstützung

Vom 14.6. bis zum 16. Juni 2019 fand ein bemerkenswerter Kongress in Ingolstadt mit dem Titel „Freude am Glauben“ statt.
Eingeladen hatte das „Forum Deutscher Katholiken“.
Es sagt über sich selber auf seiner Homepage: „…Das „Forum“ will papst- und kirchentreue Katholiken unterschiedlicher Spiritualität und geistlicher Ausrichtung in katholischer Weite zu einem lockeren Verband zusammenführen….“ Quelle: http://forum-deutscher-katholiken.de/

Das Internetportal http://www.katholisch.de berichtet am 16. Juni 2019 über diesen Kongress.
Quelle: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/forum-deutscher-katholiken-meinungsfreiheit-ist-bedroht

Diffamierende Falschmeldungen im Resolutionsentwurf

Darin wird auch berichtet, dass auf diesem Kongress eine ‚Resolution‘ verabschiedet wurde.
Und diese hat es in sich.

Katholisch.de berichtet u.a., dass in einer ersten Fassung eine Falschmeldung über die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth aufgenommen wurde, die von rechtspopulistischen Gruppen in der Vergangenheit in den Medien gestreut wurde und heute immer noch die Runde macht.
Diese Meldung wurde schon längst nachweislich als falsch und erfunden entlarvt, aber das hat diesen Kongress nicht daran gehindert, diese diffamierende Falschmeldung bewussst in einer ersten Fassung einer Resolution aufzunehmen.

An anderer Stelle bedient sich der Kongress fast wortwörtlich einer Sprache, die nachweislich im rechtsnationalen Bereich in unserer Gesellschaft zu finden ist:
„…Die Regierung habe „wissentlich und willentlich die eigene nationale Souveränität aufgegeben und den Begriff ‚Rechtssicherheit‘ durch ‚Willkommenskultur‘ ersetzt“. Regierungsvertreter hätten das grundgesetzlich verbriefte Wort „Deutsches Volk“ in „Bevölkerung“ umgewandelt….“
Quelle: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/forum-deutscher-katholiken-meinungsfreiheit-ist-bedroht

Hier stellt der Kongress bewusst die Flüchtlingshilfe der Bundesregierung, insbesondere aus dem Jahr 2015, als staatsgefährdend dar.

An anderer Stelle wird vom „zwangsfinanzierte Staatsfunk“ gesprochen – ebenfalls ein Sprech der Rechtsnationalen in Deutschland.

Unterstützen deutsche Bischöfe den rechtsnationalen Katholizismus?

Jetzt könnte man vielleicht leichtfertig einwenden, dass es sich dabei ja nur um einige wenige KatholikInnen aus dem rechtsnationalen Lager handelt.
Aber besondere Brisanz erfährt das Ganze dadurch, dass diese Veranstaltung auch von deutschen Bischöfen unterstützt wird.

Ihre Namen lesen sich wie das „who-is-who“ des rechtskonservativen Katholizismus in Deutschland. Darunter der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke.

Den Auftaktgottesdienst am 14. Juni feierte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Mit dieser bischöflichen Unterstützung erfährt der rechtsnationale Katholizismus eine gefährliche Aufwertung, die ich scharf verurteile!
Deutschtümelei gehört nicht durch Bischöfe unterstützt, auch nicht mittelbar!

Wer als deutscher Bischof gerade im Hinblick auf die deutsche nationalsozialistische Vergangenheit keine erhöhte Sensibilität gegenüber dem Wiedererwachen nationalpopulistischer Bewegungen zeigt, der handelt in meinen Augen gefährlich und verantwortungslos.

Gerade die Rolle einiger deutscher katholischer Bischöfe im Vorfeld des Nationalsozialismus sollte uns aufhorchen lassen, insbesondere da, wo sich heute wieder KatholikInnen unter dem Gedankengut rechtsnationaler Gesinnung versammeln; einer Gesinnung, die den Nationalsozialismus einst in Deutschland erst möglich werden ließ.

Ich distanziere mich…!

An dieser Stelle ist es mir ein persönliches und wichtiges Anliegen, dass ich mich als überzeugter deutscher demokratischer Europäer in aller Deutlichkeit von diesen rechtsnationalen Gesinnungen deutscher KatholikInnen mit Unterstützung deutscher Bischöfe distanziere.

In einem freien, demokratischen, solidarischen und von christlichen Grundwerten geprägtem Europa hat eine deutsch-nationale rechtspopulistische Gesinnung keinen Platz, auch nicht unter dem Deckmantel bischöflicher Soutanen.


Ergänzung vom 17. Juni 2019:

Auf der Webseite von http://www.domradio.de gibt es ebenfalls einen guten Überblick über diesen Kongress: LINK zu DOMRADIO

Autor: G. Wittka

gebürtig aus Gelsenkirchen-Buer, lebe und arbeite ich nun in Oberhausen und bin dabei ein Kind des Ruhrgebiets geblieben. Ich bin Theologe und römisch-katholischer Priester. Meine Interessen: Politik, Lesen, Singen und Fotografieren. Die Reihenfolge ist beliebig!