Bürgerprotest – spontan – nötig

Mit Zivilcourage und Bürgerproteste haben die Menschen dem Skandal um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen den nötigen Druck zum Einlenken verliehen – erfolgreich!

Die putschähnliche Falle, die die AfD Thüringen gestern im Landtag des Freistaates gestellt hat, hat funktioniert.
Zweifelsohne werden sich die Protagonisten dieser Aktion gestern genüsslich die Hände gerieben haben: denn ihr durchtriebener Coup ist aufgegangen: FDP und CDU sind sehenden Auges in die Falle getappt.

Ohne hier eine weitere Analyse vorzunehmen, ist für mich klar, dass dies ein durchtriebener Akt der AfD gegen die demokratischen Parteien in Thüringen war. Und es ist für mich auch klar, dass die FDP und die CDU das hätten verhindern können, wenn sie in ihrer rechts-links-Ideologie auf dem linken Auge größeres Differenzierungsvermögen bewiesen hätten, gerade auch angesichts eines bisherigen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der bei weit mehr als über die Hälfte der BürgerInnen des Freistaates Anerkennung und Akzeptanz erfährt.

Der scheinbar Unscheinbare

Ich möchte jetzt aber meine Aufmerksamkeit auf den ’scheinbar Unscheinbaren‘ bei diesem ganzen Theater in den Blick nehmen, der aber in den letzten 28 Stunden keine unbedeutende Rolle auch in der heutigen aktuellen Entwicklung gespielt hat, die dann auch zur Rücktrittsankündigung von Kemmerlich geführt hat:

Der spontane eloquent-konsequente BürgerInnen-Protest

Auch wenn die AfD jetzt mutmaßt, dass sie vermeintlich gestärkt aus diesem Schmierentheater hervorgehen werde, steht für mich der eigentliche ‚Gewinner‘ dieses Skandals fest:
der spontane eloquent-konsequente BürgerInnen-Protest.

Foto: Niek Verlaan, http://www.pixabay.com

Innerhalb weniger Stunden haben sich BürgerInnen über verschiedene Organisationen und Initiativen in verschiedenen Städten Deutschlands, und tatkräftig durch die Nutzung der sozialen Medien unterstützt, zu spontanen BürgerInnen-Protesten zusammengeschlossen!

Beeindruckende Bilder von Erfurt und Berlin aber auch vielen anderen Städten haben gezeigt, dass die Menschen dieses Treiben in Thüringen nicht unberührt ja sogar mit großem Erschrecken wahrgenommen haben.

Zeitgleich wurde eine Online-Petition bei www.change.org gestartet, die Kemmerich aufforderte, zurück zu treten. Innerhalb von weniger als 12 Stunden kamen dort über 15.000 Unterschriften zusammen. Und jetzt, am 6.2.2020 um 19.50 Uhr ist die Zahl auf 44.382 angestiegen.

Diese Menschen haben innerhalb weniger Stunden ihre eigene Sprache und ihre eigene Verantwortung gefunden und wahrgenommen und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass in unserer freiheitlichen Demokratie ein Ministerpräsident nicht mit der Unterstützung von einer rechtspopulistischen Partei, in der Faschisten auch noch in Führungsämtern der Partei sitzen, an die Regierungsverantwortung kommen darf.

Ich finde es erstaunlich, dass dieses notwendige und für unsere Demokratie wichtige und beeindruckendes Zeugnis der Menschen vor Ort so wenig gerade auch von den politischen Parteien zur Kenntnis genommen und gewürdigt wird.

Ich hingegen bin mir sicher, dass ohne diese starke ‚außerparlamentarischen Opposition‘ couragierter Menschen in unserem Land heute noch Kemmerich seine gestrigen Sperenzchen machen würde.

Ich bin froh und dankbar für diesen großen Beweis der Menschen, dass es sich lohnt, für unsere Demokratie buchstäblich und sehr spontan auf die Straße zu gehen und den politisch Verantwortlichen, auch in der AfD zu zeigen:

Keinen Millimeter nach Rechts – Keine Bande mit Faschisten !!

Autor: G. Wittka

gebürtig aus Gelsenkirchen-Buer, lebe und arbeite ich nun in Oberhausen und bin dabei ein Kind des Ruhrgebiets geblieben. Ich bin Theologe und römisch-katholischer Priester. Meine Interessen: Politik, Lesen, Singen und Fotografieren. Die Reihenfolge ist beliebig!