Pfingsten 2020 – Damit die Hoffnung bleibt

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Lesung: Röm 8, 22 -27
Evangelium:Joh 20, 19 – 23

Pfingsten ist das Fest der Sendung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist aber ist eine Kraft, die in unsere Zeit hinein wirkt.
Somit ist das Pfingstfest ein Feiertag, an dem wir unseren Glauben feiern, der in unserem Leben Gestalt angenommen hat.
Wie aber wirkt der Heilige Geist in uns?
Woran erkennen wir ihn ganz konkret in unserem Leben?

Wir sagen als Christen, dass der Heilige Geist sich in seinen „Gaben“ zeigt, sich also in seinen Spuren zeigt, die er in unserem Leben hinterlässt:

Zu den „Gaben des Heiligen Geistes“ gehören: Glaube, Mut zum Leben und zum richtigen Handeln und vieles andere mehr.

Von einer Gabe des Heiligen Geistes berichtet der heilige Paulus in seiner heutigen Lesung an die Römer.
Es ist die Gabe der „Hoffnung“.
Und über die Hoffnung möchte ich heute mit Ihnen nachdenken.

Lassen wir aber Paulus noch einmal selber zu Wort kommen:


„(Wir) … warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Erben Gottes offenbar werden.
Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung.
Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung.
Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?
Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.“

( Röm 8, 23b – 25)

Wie dürfen wir die Gedanken des heiligen Paulus verstehen?

Uns ist Rettung verheißen. Diese wird darin bestehen, dass unser Leib einmal im ewigen Leben endgültig erlöst sein wird.
Aber auch jetzt haben wir schon einen Anteil an dieser Erlösung, wenn auch noch in unvollkommener Weise. Doch wir können Erlösung hinein holen in unser Erdenleben.
Die Erfahrung von Erlösung ist für Paulus jenen Menschen möglich, die in ihrem Leben hoffen können.

Hier auf Erden können wir also etwas von unserer Errettung nur erfahren in der Hoffnung auf Errettung.
Diese Hoffnung nämlich besitzt die Kraft, unser Leben zu verändern und somit etwas von unserer Erlösung in unserem Leben wirksam werden zu lassen.

Dann aber, wenn sich unsere Hoffnung auf endgültige Erlösung erfüllt hat, wird sich die Hoffnung selbst erübrigen.
Hoffnung ist dann nicht mehr notwendig, weil wir dann alles haben, was wir in unserer Hoffnung hineingelegt haben: unsere Erlösung.

Solange wir in dieser Welt leben, brauchen wir die Hoffnung, um etwas von dieser endgültigen Erlösung schon im irdischen Leben zu erfahren.

Um nachzuvollziehen, wie Recht der heilige Paulus hat, können wir jede x-beliebige Lebenssituation heranziehen, die uns in unserem Leben vor eine Herausforderung stellt.

Das kann eine Prüfungssituation sein, genau so wie das Gefühl, dass ich in meinem Leben vor einer Veränderung stehe.
Das geht aber auch selbst soweit wie in lebensbedrohlichen Situationen.
Ohne Hoffnung würden wir in eine Art Lähmung verfallen; eine Lähmung, die uns daran hindert, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und Handelnde in unserem eigenen Leben zu bleiben.

Doch durch Hoffnung wächst uns eine Kraft zu, Hoffnung trägt über Krisenzeiten hinweg und lässt uns handlungsfähig bleiben.
Die Hoffnung kann antreiben, aus einer Lebenssituation „etwas zu machen“
Selbst in irdischer Hoffnungslosigkeit ( z.B. tödlicher Krankheit) kann die Hoffnung auf endgültige Erlösung uns Kraft geben, in dieser vermeintlich hoffnungslosen Situationen den Lebensmut zu bewahren.
Gerade dieses Letzte sage ich nicht leichtfertig heraus, sondern erfahre es durch die Begleitung von Menschen, die sich aus menschlicher Sicht manchmal in schier ausweglosen Situationen befinden.
Selbst angesichts des eigenen irdischen Todes resignieren sie nicht und versuchen dieses irdische Leben zu leben, so gut wie es geht, weil in ihnen eine tiefe Hoffnung ruht, dass es weitergeht …

Bei der Betrachtung des Wortes „hoffen“ fiel mir auf, dass dort das Wort „offen“ drin steckt.


Wer hoffen kann, spürt, dass seine Zukunft offen ist.
Sie hält die Chance der Veränderung bereit.
Sie enthält in sich die Möglichkeit nach Leben, nach Sinn und Erfüllung.
Wer hoffen kann, kann offen sein für das Zukünftige.

Offen zu sein für die Zukunft kann also auch bedeuten, dass ich mich nicht selber festlege, wie meine Lebensgeschichte auszusehen hat.
Ich mache mir keinen bis ins Detail festgelegten Plan für mein Leben.

Wer hoffen kann, für den können die Durchkreuzungen im eigenen Leben zu neuen Lebenswegen werden, die einen vielleicht dahin führen, wohin man zu gehen nicht im Traum gedacht hat, aber die einen dennoch auch in ein erfülltes und erlöstes Leben führen.

Wer hoffen kann, kann offen sein für die Wege, die Gott mir bereit hält.
Wer hoffen kann, kann in dem Gefühl leben, dass Gott ein gutes Ziel für uns bereit hält, dass er alles in unserem Leben zum Guten führen will.
Wer hoffen kann, kann darum bitten, sich von Gott in seinem Leben führen zu lassen.

In den verschiedenen Sakramenten der Kirche heißt es: „Gott selber vollende das gute Werk, das er in dir begonnen hat!“
Dies ist ein Wort, dass nur in der Hoffnung gesagt werden kann.

In diesem Sinne hoffen zu können, ist dann eine starke Gabe des Heiligen Geistes.

Als Christen, die wir an die Erlösung und Errettung glauben wollen, auch schon in diesem Leben, haben wir dann auch eine große und wichtige Aufgabe in der Welt: die Hoffnung zu stärken.

Manchmal können wir wirklich nicht viel tun.
Wir haben nicht die Macht, bestehende Verhältnisse zu verändern.
Wir haben nicht die Macht, Leid und Not mit einem Handstreich zu beenden.

Aber im Heiligen Geist will uns Gott die Fähigkeit schenken, Hoffnung zu verbreiten.

Hoffnung, die andere Menschen leben lässt.

Ein Sprichwort sagt: „Die Hoffnung stirbt zu Letzt!“

Ich möchte glauben: Die Hoffnung stirbt nie, wenn wir um sie bitten und sie als Gabe des Heiligen Geistes, als Pfingstgabe für uns selbst und für die anderen annehmen.
Die Hoffnung wird in dieser Welt nie sterben, wenn wir sie weitertragen zu den Menschen.
Unser christlicher Auftrag ist es: Hoffnung in dieser Welt zu ermöglichen.

Darum lasst uns um diese Hoffnung an diesem Tag bitten und darum, dass wir sie mit allen Menschen teilen, am Besten mit jenen, denen wir in unserem Alltag begegnen.

Meditation

Vater aller Menschen.
Ich will ein Bote der Hoffnung sein,
Licht bringen mit meinen Augen,
leidenschaftliche Unruhe mit meinen schwachen Händen
und die belebende Kraft deines heiligen Geistes mit meinen Worten.

Ich will jemand sein, der Freiheit sät
unter den Menschen, meinen Brüdern und Schwestern –
dein Reich zu bauen auf dieser Erde,
dieser guten – uns anvertrauten.

Ich werde nicht gehen
auf den Wegen der Ungerechtigkeit.

Ich werde mich nicht abfinden
mit der Unterdrückung der Ärmsten.

Ich werde meine Kraft dort trinken,
wo das Volk trinkt,
und werde meinen Platz dort haben,
wo es ein menschliches Wesen gibt.

Mein Schweigen
wird das geheimnisvolle Schweigen sein,
mit dem sich die Niedrigen dieser Welt nähren.

Meine Hoffnung wird die Hoffnung sein,
die dein heiliger Geist ausgegossen hat in meinem Herzen.

Lass mich selber zu einer vollen,
überfließenden Schale der Hoffnung sein
für die Menschen,
die um mich sind
die mit mir sind.

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( © nach einer Vorlage überarbeitet von G. Wittka, Pfingsten 2005)

Autor: G. Wittka

gebürtig aus Gelsenkirchen-Buer, lebe und arbeite ich nun in Oberhausen und bin dabei ein Kind des Ruhrgebiets geblieben. Ich bin Theologe und römisch-katholischer Priester. Meine Interessen: Politik, Lesen, Singen und Fotografieren. Die Reihenfolge ist beliebig!