Kreuz und Humor

Bild von Monika Robak auf Pixabay

Ein mir bekannter Gastronom hat in diesen Corona-Zeiten vor seinem Restaurant hier in Oberhausen-Sterkrade ein „finest food to go“ eingerichtet.
In der Zutrittszone hat er ein Körbchen aufgestellt mit Kreuzen und eine Tafel mit dem Hinweis: „Jeder nur ein Kreuz“.

Das ist ein Zitat aus dem Film: „Das Leben des Brian“.

Dieses Bild hatte er bei facebook veröffentlicht, was ich dann ‚ge-liked‘ habe.
Danach schrieb er mir in einer Nachricht. „Voll cool, dass du ein ‚like‘ gibst; ein Geistlicher der Humor versteht…“

Zwar ist der Humor von Monty Phyton nicht mein Humor, aber auch ich kenne diesen Film und das Zitat. Und ich finde dieses Schild ‚witzig‘ im Wortsinne.

Die Rückmeldung des Gastronom hat mich gefreut, aber ich fand es auch bemerkenswert. Sollte es nicht so sein, dass wir Christen – und unter ihnen auch die Geistlichen – Humor verstehen?

Vom heiligen Thomas Morus (dem Lordkanzler Heinrich VIII. von England) ist ein Gebet überliefert, dass übertitelt ist mit den Worten:

Gebet um Humor

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
Und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes
mit dem nötigen Sinn dafür,
ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
die im Auge behält, was gut und rein ist,
damit sie sich nicht einschüchtern läßt vom Bösen,
sondern Mittel findet,
die Dinge in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele,
der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt
und kein Seufzen und Klagen,
und lasse nicht zu,
dass ich mir all zu viel Sorgen mache
um dieses sich breit machende Etwas,
das sich „Ich“ nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor.
Gib mir die Gnade,
einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.


Zurück aber nun zur Aktion des Gastronom.
Es ist doch hervorragend, wenn er vor seinem Restaurant sein Geschäft mit einem christlichen Symbol in dieser für viele schweren Zeit verbindet.
Und ich entdecke da auch eine zutiefst christliche Botschaft.

„Jeder nur ein Kreuz!“ kann ich doch auf mich persönlich beziehen und es erweitern um einen einzigen Buchstaben: „Jeder nur sein Kreuz!“

Ich muss mir in meinem Leben nicht noch zusätzliche Kreuze suchen, die mir noch mehr das Leben schwer machen, denn: jede/r von uns hat schon ihr/sein je eigenes Kreuz zu tragen. Mit dem eigenen Kreuz fertig zu werden – das reicht schon völlig. Und manchmal kann es sogar nötig sein, sich Mit-Träger*innen zu suchen, so wie es Simon von Cyrene bei Jesus Christus getan hat.

Die Kraft zu haben, das eigene Kreuz gut tragen zu können; das wünsche sich manche von uns.
Und wenn dieser Wunsch in Erfüllung geht, dürfen wir froh und dankbar darüber sein.
Und vielleicht schenkt Gott uns auch die Gnade, unser Kreuz mit Humor zu tragen.

Autor: G. Wittka

gebürtig aus Gelsenkirchen-Buer, lebe und arbeite ich nun in Oberhausen und bin dabei ein Kind des Ruhrgebiets geblieben. Ich bin Theologe und römisch-katholischer Priester. Meine Interessen: Politik, Lesen, Singen und Fotografieren. Die Reihenfolge ist beliebig!